Von Sabrina Eberwein

Am Freitag den 31.8. trafen sich 7 VKL-Paddler, um, unter der Leitung von Josef Schiffer, die 2. Auflage der Lahn-Gepäcktour in Angriff zu nehmen. Wir starteten VKL-untypisch früher als geplant um 17 Uhr am Bootshaus und kamen um kurz nach 7 Uhr am Übernachtungsort beim Kanuverein SKC Gießen an. Obwohl wir mit 15 Personen angekündigt waren, war das Plätzchen für unsere Zelte recht überschaubar, da am darauf folgenden Tag das Lahnuferfest stattfand.Das zum Verein gehörende Restaurant „Au Lac“ erschien uns zu exklusiv, so entschieden wir uns, einen Spaziergang ins Gießener Zentrum zu machen. Wir entschieden uns für das „Vulkan“, welches eher wie eine Kneipe anmutete und wurden sehr positiv mit leckerem Essen und gutem Service überrascht. Zurück am Platz des Kanuvereins machten wir es uns noch bis halb zwei im inzwischen leeren Biergarten bei kühlem Rose` und netten Gesprächen gemütlich (der ein oder andere sollte diese Nacht aufgrund des Stromaggregats des Bierwagens sowieso kein Auge zu machen). Am Samstagmorgen wurde unsere Gruppe mit vier Nachgereisten bereichert. Wer, wie ich, bei der ersten Auflage bereits dabei sein durfte, weiß zum erklärten Ziel diese Tour gehört nicht das schnelle Abspulen möglichst vieler Flusskilometer, sondern Gruppendynamik und die Herausforderung alles was man für ein Wochenende benötigt inklusive Übernachtungskram wie Zelt, Isomatte, Schlafsack und vieles mehr in seinem Kajak zu verstauen.

Doch trotz anfänglicher Zweifel, „ob das wohl alles da reinpasst“, waren wir pünktlich um zehn startklar. Bereits wenige hundert Meter nach dem Start kam die erste Abwechslung: eine Bootsrutsche, die mit beladenem Boot noch mehr Spaß machte. Die Lahn ist bekannt als beliebter Fluss für dem „Paddeln-nicht-mächtige-Leihcanadier-Kapitäne“, die natürlich auch pünktlich um zehn von den Verleihern an der nächsten Bootsrutsche abgesetzt wurden. So wurde es etwas wuselig und wir mussten uns an den Zickzackfahrern vorbei kämpfen ohne gerammt zu werden.

Dem kommerziellen Kanutourismus hat man auf der Lahn zu verdanken, dass überall Bootsrutschen oder Schleußen das Umtragen unnötig machen. Dafür waren wir mit den schweren Booten sehr dankbar. Trotz einer Menge an Menschen auf dem Wasser waren Eisvögel zu beobachten. Auch die Schwäne scheinen dort den Trubel gewohnt zu sein und manch lebensmüder Schwan wartet am Ende einer Bootsrutsche und schwimmt erst in letzter Sekunde seelenruhig zur Seite, bevor man ihn fast mit dem Boot abschießt.

Highlight des ersten Tages war das Wehr bei Wetzlar, auf einer Rollenbahn kann man sein Boot bequem runter rollen, leider kann man nicht drin sitzen bleiben, da hat doch so ein spaßbremsender Konstrukteur eine unfahrbare Steilkurve konstruiert … ☹ gut auf dem Bild unten am 3. Boot zu sehen.

Kurz nach der Rollenbahn war unser Ziel der KC Wetzlar erreicht. Der Tag war noch jung, da wir ja weniger als 20 Kilometer gepaddelt waren =>ich hatte eingangs erwähnt keine „Kilometerfressertour“ 😊. Also bauten wir in Ruhe die Zelte auf und nach einer Dusche machten wir uns auf Wetzlar zu erkunden. Dieses Städtchen überrascht mit niedlichen Fachwerkgässchen und da das Brückenfest stattfand, war überall Musik und viele Marktstände mit allem was das Herz begehrt. Schließlich landeten wir im Restaurant „Palais“ das urige Lokal mit 400 Jahre alten Ziegelwänden und Terrasse reicht Gerichte aus der Türke die Portionen sind jedoch „überschaubar“. Von der Terrasse durften wir dem Konzert im benachbarten Park lauschen. Nachdem die hungrigen Paddler leider nur teilweise gesättigt waren, schauten wir noch beim Konzert vorbei, doch leider war der Soundcheck besser als der Auftritt der Band selbst. So überfielen wir noch einen Süßigkeitenstand und machten uns auf den Rückweg zum Platz. Während unserer Abwesenheit waren wohl alle „Leihkanadierinsassen“ dort eingetroffen und so war der Platz gut gefüllt, aber zum Glück blieb die Nacht ruhig.

Sonntagmorgen krochen wir aus unseren Zelten und mussten feststellen, es wird Herbst, bei 8° in der Nacht war es morgens noch sehr frisch. Nach dem Abbau der Zelte und einem fröstelnden Frühstück musste wieder alles rein ins Kajak und wir brachen auf zur zweiten Etappe.

Die Lahn ist aufgrund konstanter Pegelstände trotz der lang anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer problemlos befahrbar und auch der Abschnitt Wetzlar bis Leun ist mit Selbstbedienungs-Schleussen sehr komfortabel zu befahren auch hier keine mühsamen Portagen. Es muss nur ein Opfer gefunden werden, das die Tore mittels Handkurbeln öffnet und nach der Durchfahrt wieder verschliesst! Leider hatte Heinrich das vergessen und saß schon fast wieder im Boot. Im Bild unten gut zu erkennen, das noch offene Tor. Die Schleussen nutzt Dieter gerne um auf seiner Mundharmonika etwas zum Besten zu geben. Unsere Opfer waren Heinrich und Josef, deren Boote ich dann am Cowtail leer durch die Schleussen buxierte, während die zwei fleißig kurbelten. An einer Schleuße nahm uns ein netter junger Mann mit seinem Patensohn das Schleußen ab und da die beiden sogar extra auf uns warteten, revanchierte sich Josef später und nahm die zwei am Ausstieg dem Jugendzeltplatz in Leun im VKL-Bulli mit zu deren Fahrzeug am Einstieg. Tja der Spruch „Paddler sind nette Leute“ kommt nicht von ungefähr, besonders die vom VKL 😊 Tanja hatte ein Auge drauf, dass keine „VKL-Schäfchen“ vergessen wurde.

Der Platzwart des Jugendzeltplatzes Leun kannte uns noch vom letzten Jahr, wir verbrachten dort ein ziemlich krasse Unwetternacht mit Gewitter & Starkregen eine Gruppe Pfadfinder musste damals sogar während des Unwetters in seien Jurte umziehen. Während Josef und Heinrich das 2. Auto am Einstieg holten, verluden wir die Boote auf den Hänger und so waren wir um 14 Uhr startklar zur Rückfahrt. Wir kehrten noch im „Konrads“ ein, um uns für die ca. 2-stündige Fahrt zu stärken und waren um 17 Uhr – für VKL-Verhältnisse auch sehr früh – wieder am Bootshaus.

Fazit: die 2. Auflage der Lahntour mit unserem Leitwolf Josef war eine gelungene Fortsetzung und sofern Josef uns wieder zur Verfügung steht, würden wir uns sehr über eine dritte Auflage im nächsten Jahr freuen. In diesem Sinne an Josef im Namen der Teilnehmer ein ganz fettes DANKE!!!

P.S.: Die Kilometer-Kalorien-Bilanz sollte man bei dieser besonders geselligen Paddeltour jedoch nicht zu genau analysieren 😊